Induratio penis plastica (IPP)

Morbus de la Peyronie (Peyronie's disease)


Die Induratio penis plastica (IPP) ist eine chronische, meist schub- bzw. phasenweise verlaufende Erkrankung der Penis-Schwellkörper, welche ca. 5 % aller Männer betrifft. Die Induratio penis plastica führt anfangs häufig zu Schmerzen und Knotenbildung, später zu Penisschrumpfungen und Penisverbiegungen. Oft ist die IPP mit einer Erektilen Dysfunktion bzw. einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) kombiniert. Einer IPP liegen meist verschiedene Ursachen zugrunde, nicht selten wird sie durch einen Penisbruch (Penisfraktur) ausgelöst. Die Therapie der Induratio penis plastica richtet sich nach der Diagnostik und den dabei erhobenen Befunden und sollte zunächst immer konservativ-medikamentös sein. Spezifische PDE 5-Hemmer sowie auch unspezifische PDE Hemmer  oder Kollagenase scheinen derzeit hier am aussichtsreichsten. Bei stärkeren Verbiegungen und Penisschrumpfungen kann die Anwendung von Penisstreckapparaten (Andropenis) oder Vakuumapparaten (nicht bei stärkeren Verbiegungen anwenden!) sinnvoll sein.
Die eigenen Erfahrungen mit über 10000 mit IPP behandelten Männern zeigen, dass nur ganz wenige Männer (unter 5 % !) überhaupt eine Operation benötigen, wenn obig genannte Behandlungsmethoden konsequent über einen längeren Zeitraum angewendet werden, weshalb jeder von einer  betroffene Mann unbedingt alle zur Verfügung stehenden konservativen Therapiemöglichkeiten wahrnehmen sollte bevor er sich für eine Operation entscheidet.

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Induratio penis plastica (IPP)

Synonyme: IPP - Morbus de la Peyronie, Peyronie's disease

Bei der Induratio penis plastica handelt es sich um eine chronische, zur Vernarbung führende Erkrankung der beiden Erektionsschwellkörper. Obgleich die Krankheit bereits 1743 von dem französischen Chirurgen Francois de la Peyronie (nach ihm wird die Induratio penis plastica im Englisch sprechenden  Sprachraum auch Peyronie's disease benannt)ausführlicher  beschrieben worden ist, sind die Ursachen dieser Erkrankung bis zum heutigen Tage unerforscht. Erste Hinweise auf die Existenz einer Indiuratio penis plastica finden sich in der Literatur schon im Jahr 1265. (zusammenfassende Literatur bei Smith,J.F. et al: Review. Peyronie’s disease: a critical appraisal of current diagnosis and treatment. Int. J.Impotence Res. 2008, online pub.24th July)

Ursachen und Häufigkeiten der Induratio penis plastica

Derzeit existiert  unter den Experten die allgemeine Auffassung, dass es sich bei der Induratio penis plastica um ein multifaktorielles Krankheitsgeschehen handelt, also mehrere Faktoren zur Manifestation dieser Erkrankung führen. Vieles spricht dafür, dass wiederholte unbemerkte Mikroverletzungen der Schwellörperhaut (Tunica albuginea) bzw. der Trennwand (Septum) der Schwellkörper eine Induratio penis plastica zum Ausbruch kommen lässt.

Darüber hinaus werden bei einem Teil der betroffenen Männer immunologische und genetische Faktoren (gehäuftes Vorkommen des sog. HLA-B27-Antigens) diskutiert. Als weiterer wichtiger Faktor, welcher wohl wesentlich mit zur Manifestation einer Induratio penis plastica beitragen kann, wird in der Literatur wiederholt der so genannte Transforming Growth Factor ß 1 (TGF ß 1) als auch jüngst der Tumor Necrosis Factor @ (TNF @) genannt, wobei eine 2006 vorgestellte Studie eine Erhöhung beider genannten Faktoren im Blut von Patienten mit Induratio penis plastica zeigen konnte (Praetorius,M.et al: Eur Urol Suppl 2006; 5 (2): 81).
Bei 20 - 30% der betroffenen Männer kommt es neben der Induratio penis plastica auch zu bindegewebigen Narbenbildungen um die Fingersehenscheiden der Handinnenflächen (Morbus Dupuytren), teilweise mit so genannten Beugekontrakturen und Bewegungseinschränkungen der Finger 3-5. Sehr selten ist auch die Fußsohle (Morbus Ledderhose) betroffen.

Die Prävalenz (Häufigkeit des Auftretens) der Induratio penis plastica in der Normalbevölkerung wird in der Literatur mit einer Schwankungsbreite zwischen 3-8 % angegeben. Wesentlich häufiger findet man eine Induratio penis plastica bei Patienten, welche eine Erektile Dysfunktion und/oder einen Diabetes mellitus haben, wobei hier Studien zufolge die Häufigkeit einer Induratio penis plastica  zwischen 7,9-8,1 % beträgt, bei einem Durchschnittsalter der untersuchten Männer von 54 Jahren (El-Sakka, A.I., Eur Urol 49, 564-569, 2006, El-Sakka, A.I. et al: J.urol 174, 1026-1030, 2005). Generell gibt es bis zum heutigen Tage keine zuverlässigen nationalen und etniologischen Studien zur Prävalenz der Induratio penis plastica, da viele davon betroffenen Männer ja nie einen Arzt aufsuchen bzw. die Krankheit bei Befragung auch nicht zugeben würden. Schätzungen unter Experten zufolge dürfte sich die Prävalenz der Induratio penis plastica bei 5 % oder evtl. noch höher bewegen, wobei natürlich eine klare Altersabhängigkeit gegeben ist.

Neuste Untersuchungen zeigen auch, dass Männer mit einer Induratio penis plastica viel häufiger an einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) leiden (Moreno, S. A.,Morgentaler A: Testosterone Deficiency and Peyronie’s Disease: Pilot Data Suggesting a Significant Relationship. J Sexual Medicine 2009, 6,1729-1735), was auch im eigenen Krankengut auffällt.

Krankheitsverlauf der Induratio penis plastica

Der Krankheitsverlauf einer Induratio penis plastica ist meist chronisch, teilweise auch schubweise. Oftmals beginnt die Induratio penis plastica "über Nacht" mit einer Knotenbildung in der Schwellkörperhaut, welche bei der Erektion Schmerzen verursacht, oder aber mit einer akuten Thrombophlebitis (Entzündung einer Vene) bzw. Thrombose einer auf dem Penisrücken verlaufenden Vene.
Dieses entzündliche Stadium der Induratio penis plastica, in welchem sich die Knoten und Verhärtungen (auch Plaques genannt) noch relativ weich anfühlen, geht dann nach einigen Monaten in ein verkalkendes Stadium über, welches dann zu teils grotesken Penisverbiegungen (siehe auch unter erworbenen Penisverbiegungen) nach oben oder zur Seite führt (siehe Abbildungen rechts).

Zusätzlich kann es bei der Induratio penis plastica zu sanduhrförmigen Einziehungen der Schwellkörper und zu einer ungenügenden Versteifung der Schwellkörperpartien jenseits der Penisverbiegung kommen. Die Patienten empfinden dies als fassreifenartiges Abschnürungsgefühl der Schwellkörper. Sowohl die bei einer Induratio penis plastica häufig vorhandene Penisverbiegung als auch die oft gleichzeitig nachlassende Erektionsfähigkeit führen zu entsprechenden Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr bis hin zur kompletten Impotenz (Erektile Dysfunktion). Hierbei hat sich herausgestellt, dass bei  ca. 30 % der IPP-Patienten eine arterielle Durchblutungsstörung und bei fast 50 % ein so genanntes venöses Leck (synonym cavernöse Insuffizienz bzw. veno-occlusive Dysfunktion) für die Erektile Dysfunktion verantwortlich sind. (Literatur bei Porst, H. Manual der Impotenz, UNI-MED-Verlag 2000, Bremen)

Bisweilen entsteht im Bereich des Biegungswinkels auch eine Art Pseudogelenkbildung, d.h.,dass der Penis hinter der Verbiegung völlig instabil ist und wie in einem Gelenk bewegt werden kann Die Knoten am Penis zeigen im Verlauf der Induratio penis plastica bisweilen Wanderungstendenz, wodurch sich die Richtung und das Ausmaß der Penisverbiegung ändern können, d,h., dass es gar nicht so selten vorkommt, dass ein an einer Induratio pens plastica erkrankter Patient zunächst mit einer nach links gerichteten Penisverbiegung die Sprechstunde aufsucht und ein halbes Jahr später dann die Penisverbiegung nach oben oder zur rechten Seite zeigt.

Der individuelle natürliche Verlauf einer Induratio ist unberechenbar, d.h. bei jedem Patienten unterschiedlich und deshalb nicht vorhersehbar, weshalb man zunächst weder eine individuelle Prognose bezüglich der Dauer einer Induratio penis plastica noch bezüglich des zu erwartenden Ausmaßes der Penisverbiegung machen kann. Eine Induratio penis plastica kann spontan ausheilen oder aber, was wesentlich häufiger der Fall ist, auch zu einer starken, bis zu über 100gradigen Penisverbiegung bzw. auch zu einer irreversiblen Penisschrumpfung mit erheblichem Längenverlust führen, wobei der Autor in der Sprechstunde durchaus Patienten erlebt hat, welche gegenüber früher, also vor Manifestation einer Induratio penis plastica glaubhaft einen Längenverlust um bis zu 4-8 cm in versteiftem Zustand angaben, meist im Zusammenhang mit einer ausgeprägten Penisverbiegung.
In einer 2006 publizierten Studie analysierten die Autoren den natürlichen Verlauf einer unbehandelten Induratio penis plastica bei über 246 Patienten (Mulhall, J.P. et al.: An analysis oft he natural history of Peyronie’s disease. J. Urol.2006,175,2115): Bei 12 % kam es zu einer spontanen Verbesserung der Krankheitssymptome, bei 40 % zu einer Stabilisierung und bei 48 % zu einer deutlichen Verschlechterung. Bela et al. (J Sex.Med.2008,4,1527-1538) berichten über eine spontane Remissions(Rückbildungs)rate von 20 %. Diese Beobachtungen zeigen eindeutig, dass es in der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt, wenn man nur abwartet und keine Therapie beginnt. Meistens kommt es nach einem  Verlauf von 1-3 Jahren zu einem Stillstand der Induratio penis plastica, nicht selten mit einer erheblichen Penisverbiegung, welche dann den Geschlechtsverkehr nicht oder nur noch mit erheblichen Schwierigkeiten zulässt, was dann zur Konsultation des Urologen führt. In diesem Stadium, wo es nicht mehr zu einer Progression kommt, bestehen dann keine Schmerzen mehr.

Eine wichtige positive Nachricht für alle von einer Induratio penis plastica betroffenen Männer ist die Tatsache, dass die Erkrankung, so lästig sie auch für den Einzelnen und dessen Frau ist, niemals bösartig werden kann.

Diagnostik der Induratio penis plastica

Da viele Patienten mit einer IPP auch häufig gleichzeitig an einer Erektilen Dysfunktion bzw. an einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) leiden, sollte immer eine genaue Diagnostik vor Einleitung von Therapiemaßnahmen erfolgen. Die Diagnostik beinhaltet eine Schwellkörpertestung mit Injektion von Prostaglandin E1 zur Induktion einer künstlichen Erektion , um das Biegungsausmaß und die Penislänge objektive zu dokumentieren als auch mit dem Farbdoppler bzw. Duplexapparat die Durchblutungsverhältnisse zu messen. Sowohl die eigenen Erfahrungen als auch die Berichte in der Literatur haben hierbei gezeigt, dass die Erektionsstörungen bei IPP häufig auf einen verminderten Blutzufluss wegen Gefäßverschlüssen oder aber einen erhöhten Blutabstrom (venöses Leck-cavernöse Insuffizienz) zurückzuführen sind. Zusätzlich sollte immer in nicht erigiertem Zustand eine Pesnisonographie mit einem geeigneten Small Part Schallkopf erfolgen, um festzustellen, wie viele Plaques es sind, wie groß sie sind und ob sie verkalkt oder noch nicht verkalkt sind , was durchaus Konsequenzen bezüglich der einzuleitenden Therapie hat (Abb. 6-8). Häufig tastet man nur einen einzigen Plaque, findet dann aber im Ultraschall noch andere, tiefer im Septum penis lokalisierte Plaques.

Therapie einer Induratio penis plastica

Da die Ursache der Induratio penis plastica unbekannt ist, existiert auch keine ursächliche Behandlung. Im Stadium der Entzündung, wenn also die Knoten (Plaques) noch nicht verkalkt sind, werden  teilweise schon seit Jahrzehnten auf dem Markt befindliche aber nicht wirklich wirksame Medikamente oder Vitamin E eingesetzt, um zumindest Schmerzfreiheit zu erreichen, wobei Vitamin E wegen der geringen Nebenwirkungen und des niedrigen Preises prinzipiell zu bevorzugen ist. Allerdings existieren zur Therapie der Induratio penis plastica mit Vitamin E keine größeren Placebo kontrollierten Studien. Wegen der in Studien beschriebenen potenziell Herz schädigenden Wirkung von Vitamin E in höheren Dosierungen sollte bei längerfristiger Einnahme von Vitamin E eine Dosis von 400 IE pro Tag nicht übersteigen.

Eine größere Placebo kontrollierte Studie (103 Patienten ) über einen 12monatigen Behandlungs-zeitraum mit  einem der älteren Medikamente bei Induratio penis plastica zeigte, dass es zwar zu einer signifikanten Verkleinerung der Knotenbildung kam, allerdings nicht der Penisverbiegung  (Weidner,W. et al., Eur Urol,47,530,2005), weshalb der Nutzen dieser Therapie der Induratio penis plastica bei gleichzeitiger stärkerer Penisverbiegung hinterfragt werden muss.

Schließlich ist das entscheidende Erfolgskriterium in der Behandlung der Induratio penis plastica die Verringerung oder Beseitigung der Penisverbiegung, weil diese den limitierenden Faktor beim Geschlechtsverkehr darstellt. Weitere in der Literatur berichtete Medikamente, welche bei Induratio penis plastica zur Anwendung kamen, sind z.B. Antiöstrogene  (wird insbesondere in der Behandlung beim Brustkrebs der Frau angewendet) oder Colchicin (wird sonst  gelegentlich noch beim Gichtanfall angewendet), wobei auch  diese Substanzen in Placebo kontrollierten Studien keine Effektivität gezeigt hatten.

Vor kurzem wurde auch  über die erfolgreiche Behandlung der Induratio penis plastica mit unspezifischen Phosphodiesterasehemmern berichtet, worunter sich die bei dem Patienten vorhandene Penisverbiegung deutlich gebessert hatte (Brant, W.O. et al., Nat Clin Pract Urology 3, No.2, 111-115, 2006). Phosphodiesterasehemmer (Inhibitoren) hemmen den  Transforming Growth Faktor ß 1 (TGF ß 1) als auch den Tumornecrosis Factor @ (TNF), welchem mittlerweile eine entscheidende ursächliche Rolle bei der Entstehung einer Induratio penis plastica zugeschrieben wird. In einer jüngst auf dem amerikanischen Sexualmedizinischen Kongress im November 2009 in San Diego von der Arbeitsgruppe um Tom Lue, San Franzisko, vorgestellten Studie mit insgesamt 515 Patienten mit Induratio penis plastica kam es bei Anwendung eines unspezifischen Phosphodiesterasehemmers bei nur 17 % zum Fortschreiten mit Operationsbedürftigkeit während dies bei der unbehandelten Gruppe in 41 % der Fall war.

Eine weitere oral gegebene Substanz bei induratio penis plastica stellt L-Carnitin dar, welches die Bildung so genannter freier Radikaler vermindert. Die mit L-Carnitin bei Induratio penis plastica berichteten Ergebnisse in kleineren Studien sind widersprüchlich und lassen keine eindeutigen positiven Schlussfolgerungen zu.

Die direkte Injektion von Medikamenten in die Knoten (Plaques) wie Calciumanta-gonisten, Hyaluronidase oder Cortison wird zwar mancherorts noch bei Induratio pens plastica durchgeführt, zeigten aber in Placebo kontrollierten Studien keine signifikanten Vorteile gegenüber Placebo.

Die direkte Injektion von Interferon @ bei Induratio penis plastica in die Plaques ergab eine signifikante Verringerung der Penisverbiegung unter Interferon @ von durchschnittlich 50 auf 36 Grad gegenüber einer Verringerung der Penisverbiegung unter Placebo von durchschnittlich 51 auf 46 Grad (Hellstrom, W. et al., J.Urol.176, 394-398, 2006). Allerdings sind alle Behandlungsformen der Induratio penis plastica, bei welchen direkt Medikamente in die Plaques injiziert werden, teilweise durchaus schmerzhaft, außerdem zeitaufwändig und kostspielig, sodass ein vernünftiges Kosten/Nutzen Verhältnis in Frage gestellt werden muss.

Auf dem letzten Kongress der Amerikanischen Urologenvereinigung 2013 in San Diego wurden die Ergebnisse der Studien mit Clostridium hystolyticum Kollagenase aus den USA berichtet.  Die Anwendung von Kollagenase ist in der Praxis sehr aufwendig: da die Injektion in die Plaques durchaus schmerzhaft sind muss jedes mal eine so genannte Peniswurzelblockade durchgeführt werden, d.h., dass die Peniswurzel mit einem lokalen Betäubungsmittel umspritzt werden muss.

 

In seiner mehr als 30jährigen Laufbahn hat der Autor dieser Zeilen viele Medikamente mit sensationellen Erfolgen bei Induratio penis plastica am Horizont erscheinen und wieder verschwinden sehen, ohne dass auch nur bei  einem  Medikament diese anfangs in kleinen Patientenserien  sensationellen Erfolge in größeren Studien hätten bestätigt werden können: Kein einziges dieser „Sensationsmedikamente“ hat letztlich dann auch die Marktreife erlangt.

Die Durchführung einer Strahlentherapie bei Induratio pens plastica, wie auch immer geartet sie ist, muss heutzutage als obsolet/überholt angesehen werden. Es gibt hierzu in der Literatur keine vernünftigen wissenschaftlich-klinischen  Studien, welche insbesondere bei einer starken Penisverbiegung einen Nutzen hätten zeigen können. Außerdem kann es nach der Strahlentherapie zu einer erektilen Dysfunktion und zu erheblichen Komplikationen bei einer später erforderlichen operativen Beseitigung einer Penisverbiegung kommen. Von einer Strahlentherapie bei IPP ist deshalb dringend abzuraten.

In den letzten Jahren wurde an verschiedenen Kliniken auch der Versuch unternommen mittels der extrakorporalen Stoßwellentherapie den betroffenen Patienten, welche an einer Induratio penis plastica leiden, zu helfen. Die bislang hierzu veröffentlichten Daten konnten keine klinisch relevante Verbesserung der Penisverbiegung zeigen(siehe Abb. 5).Zudem stehen überzeugende Langzeitergebnisse aus, und die Krankenkassen übernehmen diese sehr teure (mehrere tausend EURO) Therapie bei der Induratio penis plastica generell nicht.

Neuer Therapieansatz mit PDE Inhibitoren bei Induratio penis plastica

Ein eventuell sehr Erfolg versprechender, völlig neuer  Therapieansatz bei Induratio penis plastica ist die Behandlung mit spezifischen und unspezifischen PDE Inhibitoren, die an sich zur Behandlung der erektilen Dysfunktion verschrieben werden. Verschiedene Studien der letzten 2 Jahre haben gezeigt, dass die permanente Hemmung der Phosphodiesterase 5 mit Phosphodiesterasehemmern fibrotische Umbauprozesse, wie sie bei der Induratio penis plastica ja bestehen, hemmen und rückbilden können.

So konnten durch die tägliche Gabe der PDE 5 Hemmer im Tierversuch die Plaquegröße  bei einer durch die Injektion des Transforming Growth Factor ß 1 hervorgerufenen Induratio penis plastica deutlich verringert werden (Ferrini, MG et al., BJU International 97, 625-633, und Ferini MG et al, Nitric Oxide, 9, 229-244, 2003).

Andere Arbeiten lassen ebenfalls einen anifibrotischen Effekt von Phosphodiesterase 5 Inhibitoren vermuten (Vlachopoulos,C. et al. J Sex Med 3 (suppl.), 176-198,2006 Morelli, A. et al., JSM 2006, 3, Suppl.1, p. 46, abstr. 104).

Penisstreckapparate bei Induratio penis plastica

Wiederholt werden zur Therapie der Induratio penis plastica auch so genannte Penisstreckapparate (z.B. Phallosan®,Andropenis®) im Internet oder andernorts empfohlen (siehe auch Kapitel erworbene Penisverbiegung).Wenngleich auch hierzu keine Ergebnisse größerer kontrollierter Studien vorliegen, so kann die Anwendung solcher Penisstrecker im individuellen Einzelfall durchaus Sinn machen, -sei es präoperativ oder postoperativ- insbesondere dann, wenn die IPP zu einer erheblichen Penisverkürzung und Penisverbiegung geführt hat.

Operative Therapie der Induratio penis plastica (Peyronie's disease)

Unter den wenigen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Induratio penis plastica besteht Einigkeit darüber, dass nie zu früh operiert werden soll. Die Penisverbiegung sollte dabei mindestens 6 besser 9-12 Monate stabil geblieben sein, d.h., dass von dem Patienten kein weiteres Fortscheiten der Penisverbiegung mehr beobachtet worden ist bzw. auch kein Wechsel der Richtung der Penisverbiegung stattgefunden und ebenso wichtig, dass Schmerzfreiheitgegeben ist.
Prinzipiell gibt es 4 verschiedene Operationstechniken der Penisverbiegung bei Induratio penis plastica (siehe hierzu auch Kapitel erworbene Penisverbiegungen)

1. Die Beseitigung der Penisverbiegung in der Technik nach Nesbit (d.h., dass der Knoten/Plaque  unberührt,also bestehen bleibt, und auf der Gegenseite eine Keilexzision aus der Tunca albuginea entnommen wird,. Dadurch, dass dann die Ränder des klaffenden Spaltes in der Schwellkörperhaut wieder durch feste Nähte zusammengezogen werden, wird die zu lange der zu kurzen Penisseite angepasst.

2. Die Beseitigung der Penisverbiegung durch die so genannte Rafftechnik (auch Plikationstechnik genannt) nach Ebbehoj bzw. Essed/Schröder. Hierbei wird ähnlich wie bei der unter 1. beschriebenen Technik nach Nesbit die Penisverbiegung dadurch beseitigt, dass die zu lange der zu kurzen Penisseite angepasst wird. Allerdings werden hierbei nicht aus der Schwellköperhaut Keile entnommen sondern lediglich die Schwellkörperhaut durch Raffnähte (so genannte Matratzennähte) gerafft.

3. Die Beseitigung der Penisverbiegung bei Induratio penis plastica durch Plaquexzision mit plastischer Deckung des Defektes (Grafting), wobei dann die entstehenden Defekte mit körpereigenem Material (Venen, welche meist aus dem Bein oder dem Penis (Dorsalvene) entnommen werden oder aber auch mit Mundschleimhaut) bzw. mit anderen körperfremdem "künstlichen Materialien" gedeckt werden.

4. Die direkte Implantation einer Penisprothese bei Induratio penis plastica Die direkte Implantation einer Penisprothese sollte immer dann in Erwägung gezogen werden, wenn zusätzlich eine schwere erektile Dysfunktion mit vorliegt, welche auf Medikamente wie Cialis® oder Viagra® nicht oder schlecht anspricht. Durch die direkte Implantation einer Penisprothese lässt sich auch meist die bestehende Penisverbiegung mit beseitigen, wenn der Operateur nach Implantation der Penisprothese den Plaque in dem von Steven Wilson, dem bekanntesten Penisprothesenoperateur aus den USA, beschriebenen Verfahren aufbricht.

Besteht bei einem Patienten die Kombination der Trias Induratio penis plastia, operationbedürftige Penisdeviation und erektile Dysfunktion empfiehlt sich die direkte Implantation einer Penisprothese, wenn im Vorversuch Cialis® oder Viagra® bzw. andere PDE Inhibitoren keinen Erfolg gezeigt haben.

Die eigenen, überaus positiven Erfahrungen mit über 50 Patienten mit Induratio penis plastica und Penisdeviation, die so primär, also mit direkter Implantation einer hydraulischen Penisprothese behandelt worden sind, unterstreichen diese Empfehlung. Den Patienten kann dadurch eine zweite Operation erspart werden, wodurch es meist zusätzlich zu einer weiteren Penisverkürzung kommen würde, wenn man zuerst die Penisverbiegung beseitigt und dann später wegen weiterhin bestehender Impotenz doch gezwungen wäre, eine Penisprothese einzusetzen.

Zusammenfassend lässt sich zur Induratio penis plastica anhand der verfügbaren Literatur und der eigenen Erfahrungen mit über 10.000 in den letzten 25 Jahren selbst behandelten IPP Patienten folgendes feststellen:

Prinzipiell verläuft die Induratio penis plastica in Schüben, oftmals mit einem dramatischen Beginn mit Manifestation eines Plaques und einer Verbiegung innerhalb von Tagen/Wochen. Nach einer Erkrankungsdauer zwischen 1 bis 3 Jahren kommt die Erkrankung bei über 90 % der betroffenen Patienten zum Stillstand. Die Krankheit verursacht oft eine starke, meist nach oben (dorsal) gerichtete Penisverbiegung sowie zusätzlich auch eine bisweilen erhebliche Penisschrumpfung.

Die Häufigkeit (Prävalenz) der IPP ist altersabhängig und dürfte in der Altersgruppe 30 – 70 Jahren bei 5% liegen.

Die Ursachen der Induratio penis plastica sind im Detail ungeklärt, sicherlich handelt es sich um ein multifaktorielles Krankheitsgeschehen, bei welchem genetische, entzündliche und immunologische Faktoren eine Rolle spielen. Als ätiologisch wichtigster Faktor in der Genese der IPP wird derzeit der Transforming Growth Factor  (TGF) ß 1  angesehen.

Als derzeit vielversprechendster konservativer Therapieansatz bei Induratio penis plastica muss derzeit die kombinierte Anwendung von PDE Hemmern gesehen werden.

Die eigenen Erfahrungen mit insgesamt mehr als 1000 Patienten , welche in den letzten 3 Jahren mit  einer Kombination aus PDE Inhibitoren  , Penismodellierungsübungen nach Anlernung in der Praxis sowie der Anwendung von Vakuumapparaten bzw. Penisstreckapparaten behandelt worden sind, haben gezeigt, dass es unter dieser über 12-18 Monate durchzuführenden Kombinationstherapie bei 95 % der Patienten zu einem sofortigen Stillstand der IPP kommt und bei 60 % eine erhebliche Verbesserung des ursprünglichen Zustands eintritt. Mit dieser Kombinationsbehandlung kann der überwiegenden Mehrzahl von Männern eine aufwändige Operation erspart werden, was auch für schwerere IPP_Fälle mit starken Verbiegungen zutrifft.

Operative Maßnahmen sollten nur bei starker funktioneller Beeinträchtigung (starke Penisverbiegung mit erheblichen Kohabitationsproblemen) und erst bei einem Krankheitsstillstand von > 1 Jahr durchgeführt werden Ungeachtet welches OP-Verfahren angewandt wird führen operative Maßnahmen meist zu einer zusätzlichen Penisverkürzung um 1-2 cm, was auch oftmals für die Plaquechirurgie und Graftingverfahren zutrifft. OP-Verfahren, welche damit werben, dass sie zu keiner Penisverkürzung führen, widersprechen meist den in der Literatur von seriösen Autoren berichteten Ergebnissen und sollten deshalb entsprechend kritisch gesehen werden.

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Induratio Penis Plastica urologische Praxis
Ursachen Häufigkeiten für Induratio penis plastica
Abb. 1: Typische nach oben gerichtete (dorsale) Penisdeviation bei Induratio penis plastica
Therapie Induratio penis plastica
Abb. 5: Ergebnisse zweier Studien zur Anwendung der Extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) bei Induratio penis plastica.
Therapie Induratio penis plastica
Abb. 6: Ultraschall bei über 2 Jahre bestehender Induratio penis plastica. Kalzifizierter Plaque auf der Oberseite der Tunica albuginea gelegen mit Schallauslöschphänomen
Therapie Induratio penis plastica
Abb. 7: Ultraschall Penis bei frischer 2 Monate bestehender Induratio penis plastica: Hypodenser Plaque auf der Oberseite der Tunica albuginea gelegen mit Schallverstärkung.
Therapie Induratio penis plastica
Abb. 8: 3 teilweise kalzifizierte, nicht tastbare Plaques im Penisseptum teilweise mit Schallauslöschung.