Penisverbiegung

Penisverbiegung (synonym Penisdeviation, Peniskurvatur)

Ca. 5 % aller Männer sind von schwereren Penisverbiegungen betroffen, die häufig zu Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Sex führen. Man unterscheidet angeborene (kongenitale) Penisverbiegungen von erworbenen Penisverbiegungen, letztere häufig als Folge einer Induratio penis plastica oder eines Penisbruches (Penisfraktur).
Die angeborene Penisverbiegung beruht auf einer Entwicklungsstörung des Penis im Mutterleib, ausgelöst durch einen temporären Testosteronmangel im 4.Fetalmonat. Eine Sonderform der angeborenen Penisverbiegung stellt die Hypospadie dar.
Während die Therapie angeborener Penisverbiegungen bei entsprechenden Beschwerden fast immer in der operativen Korrektur besteht, mit einer in geübter Hand über 90%igen Erfolgsrate, sollte die Therapie der erworbenen Penisverbiegung, insbesondere wenn sie durch eine Induratio penis plastica bedingt ist, zunächst immer medikamentös und/oder mechanisch, also konservativ sein. Nur bei Persistenz starker Verbiegungen und Beschwerden muss eine operative Therapie erfolgen.

>> mehr Informationen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Penisverbiegung

Penisdeviationen

Penisverbiegungen (synonym : Penisdeviationen bzw. Peniskurvaturen) können entweder angeboren (kongenital) oder erworben sein (letzteres meist im Zusammenhang mit einer Induratio penis plastica bzw. als Zustand nach Penisbruch/Penisfraktur) und fallen nur bei versteiftem, also erigiertem Penis auf. Penisverbiegungen werden meist erst ab einem gewissen Biegungswinkel klinisch relevant (nach den eigenen Erfahrungen mit über 2.000 Patienten mit Penisdeviationen ist das ab ca. 30 - 40 Grad Verbiegung der Fall), da das Einführen des versteiften Penis in die Scheide schwierig oder unmöglich wird. In nicht erigiertem, also so genanntem flacciden Zustand des Penis sind Penisverbiegungen äußerlich nicht sichtbar und lassen sich deshalb auch dann nicht diagnostizieren.

Kongenitale (Angeborene) Penisverbiegungen

Die angeborenen Penisverbiegungen sind meist auf eine Fehlanlage der derben Schwellkörperhaut (Tunica albuginea) zurückzuführen, welche auf einer Seite zu kurz angelegt ist, so dass der Penis bei Erektion zu der betroffenen Seite abbiegt. Ursächlich für die kongenitale Penisdeviation wird eine Entwicklungsstörung des Penis während der Fetalentwicklung im Mutterleib angesehen, welche auf einen temporären Androgen-/Testosteronmangel zurückgeführt wird .Für diese Hypothese spricht auch die Beobachtung, dass angeborene Penisverbiegungen im Kindes- bzw. frühen Jugendalter teilweise erfolgreich mit einer Dihydrotestosteron haltigen Salbe (Handelsname Andractim®) behandelt werden können, insbesondere wenn dies vor Eintritt der Pubertät geschieht (0,15 mg/cm2 DHT-Salbe einmal täglich für 3 Monate mit Unterbrechungsintervallen (Quelle : Catuogno,C.et al, Int J Impotence Res 6 Suppl 1, D 225, 1994).

In diesem Zusammenhang ist auch von Interesse, dass während der fetalen Entwicklungsphase im Mutterleib der Penis normalerweise vorübergehend eine deutliche, nach unten, also ventral gerichtete Penisverbiegung aufweist, die dann aber wieder nach einigen Wochen verschwindet, sobald die Leydigzellen der embryonalen Hoden die Testosteronproduktion voll aufgenommen haben. Kommt es eben in dieser empfindlichen Entwicklungsphase des Penis im 3.-4. Fetal- also Schwangerschaftsmonat zu einem Testosteronmangel durch vorübergehendes Ausbleiben der Testosteronproduktion , dann bleibt diese temporäre Penisverbiegung bestehen und bildet sich nicht mehr zurück, so dass diese Knaben dann mit einer angeborenen Penisverbiegung zur Welt kommen (Abb. 1, 2).

Eine nach unten, also ventral gerichtete Penisverbiegung kommt auch gerne bei einer Hypospadie vor. Hierbei handelt es sich um eine Fehlbildung der Harnröhre und seinem Schwellkörper, so dass die Harnröhrenmündung nicht in der Mitte der Eichel sondern in der Kranzfurche oder noch tiefer am Penisschaft bzw. am Übergang Penisschaft/Hodensack münden kann (Abb. 3a, b). Der Harnröhrenschwellkörper ist dabei nur rudimentär ausgebildet und durch Bindegewebsstränge ersetzt, welche den Penis bei Erektion dann nach unten, also ventral ziehen und somit verbiegen (Abb. 3a, b).
Derartige bindegewebige Stränge, welche den Penis bei Erektion nach unten ziehen sind auch gerne bei angeborenen nach unten gerichteten Penisverbiegungen vorhanden und müssen bei der Operation dann mit entfernt werden (Abb. 1, 2). Ab einem gewissen Biegungsausmaß (meist >30 - 40 °) können Penisverbiegungen den Geschlechtsverkehr erheblich beeinträchtigen oder gar das Eindringen des Gliedes in die Vagina unmöglich machen. Oftmals ist dann auch der Koitus für die Partnerinnen wegen der Verbiegung schmerzhaft. Angeborene (kongenitale) Penisverbiegungen sind meist nach unten (ventral (Abb. 1, 2) oder links, sehr selten nach oben (dorsal) oder rechts gerichtet (siehe Tab. 1).

Indikation und Hauptgründe  für eine operative Korrektur einer Penisverbiegung sind vor allem Kohabitationsschwierigkeiten der betroffenen Männer bzw. Schmerzen der Partnerinnen beim Koitus. Ab einem Biegungsausmaß von > 60% ist dabei ein Einführen des Gliedes in die Scheide meist unmöglich.

Auch in unserer heutigen, als aufgeklärt und enttabuisiert geltenden Zeit gibt es noch eine Reihe von Männern, welche trotz erheblicher sexueller Probleme infolge einer angeborenen Penisverbiegung es über viele Jahre, ja Jahrzehnte nicht wagen, sich einem Urologen anzuvertrauen. So sieht der Autor dieser Homepage in seiner Sprechstunde immer wieder Männer, welche erst im Alter von 30-40, ja manchmal erst mit 45-50 Jahren ihn zu einer Korrektur ihrer angeborenen Penisverbiegung aufsuchen, nachdem sie und ihre Partnerin einen langen Leidensweg hinter sich haben. Oft sind darüber in der Vergangenheit auch Partnerschaften wegen der erheblichen Koitusprobleme zerbrochen, welche die nicht behandelte Penisverbiegung bereitet hat.

Ein Teil der von einer Penisdeviation betroffenen Männer und deren Partnerinnen plagen sich oft viele Jahre beim Koitus ab, wobei die Männer dann gezwungen sind, den versteiften Penis vor dem Einführen „zurechtzubiegen“, was oftmals mit „sanfter Gewalt“ erfolgen muss.

Auf Dauer schädigt ein solches,  ständiges „Zurechtbiegen“ des versteiften Penis die Stabilität der Schwellkörperhaut (Tunica albuginea), sodass es dann bei einem Teil dieser Männer im Laufe der Zeit  zur Manifestation einer Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion) auf Grund einer cavernösen Insuffizienz (erhöhter Blutabfluss während der Erektion) bzw. zu einer Instabilität des Penis im Bereich des Biegungswinkels mit Pseudogelenkbildung kommt.

Deshalb mein Rat an alle von einer Penisverbiegung betroffenen Männer: Legen Sie alle Ihre Ängste und Scham ab, damit der Leidensweg für Sie und Ihre Partnerin ein baldiges  Ende findet und suchen den für Sie am  nächsten gelegenen Urologen auf. Er wird Ihnen sicherlich eine Klinik nennen können, die Erfahrung in der operativen Korrektur von Penisverbiegungen hat.

Therapie angeborener Penisverbiegungen

Mit Ausnahme von Jungen, welche die Pubertät noch nicht abgeschlossen haben - hier könnte ein Versuch mit einer Dihydrotestosteron haltigen Salbe (siehe Text oben) manchmal zum Erfolg führen – besteht die Behandlung der angeborenen Penisverbiegung immer in der operativen Korrektur.

Die Anwendung von Penisstreckapparaten (sog. Extendern) bringt bei angeborenen Penisverbiegungen keinerlei Verbesserung sondern kann auf Grund der Überdehnung des Gewebes potentiell zu irreparablen Komplikationen führen.

Die erste erfolgreiche operative Beseitigung einer angeborenen Penisverbiegung wurde von dem Urologen R. Nesbit 1965 beschrieben (Nesbit, R.M.: Congenital curvature of the phallus: report of three cases with description of corrective operations. J Urol 93, 230-233,1965) Für die operative Beseitigung angeborener Penisverbiegungen stehen unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung, wobei die Originalmethode nach Nesbit (Abb. 4), bei welcher ein Keil aus der zu langen Seite der Schwellkörperhaut entnommen wird, in der Literatur und auch in eigener Hand zu den besten Ergebnissen führt.

Alternativ zur Nesbitmethode wurden in den 80er Jahren zwei unterschiedliche Plikationsmethoden der Tunical albuginea beschrieben und zwar von Ebbehoj (Ebbehoj, J., Metz , P.: New operation for Krummerik (penile curvature). Urology 26, 76-78, 1985) sowie von Essed und Schröder (Essed,E., Schroeder,F.H.: New surgical treatment for Peyronie´s disease. Urology 25, 582-587, 1985)

Der vermeintliche Vorteil dieser Plikationsmethoden, nämlich der Zeitgewinn bei der Operation, da die Tunica nur plikiert aber nicht ausgeschnitten werden muss, wird durch eine  höhere Rezidivrate erkauft als sie bei der Nesbitmethode allgemein beobachtet wird.

Auch der Autor dieser Zeilen hatte in den 80er Jahren die verschiedenenPlikationsmethoden ausprobiert, ist aber auf Grund der hohen Rezidivrate wieder zur alten Nesbit-also Keilexzisionstechnik zurückgekehrt. Außerdem beklagen nicht wenige Patienten nach Anwendung der Plikationsmethode, dass die lebenslang bestehenden Nähte (bei den Plikationsmethoden muss mit nicht auflösbarem Nahtmaterial genäht werden) beim Geschlechtsverkehr unter der Haut spürbar und teilweise schmerzhaft sind, weswegen der Autor dieser Homepage immer wieder gezwungen ist, andernorts mit der Plikationsmethode operierte Patienten nochmals zu operieren, dabei die nicht resorbierten Fäden zu entfernen und dann die Originalmethode nach Nesbit anzuwenden. Dies ist auch dann oftmals derFall, wenn andernorts bei der Plikationskorrektur die so genannte "versenkte Knotentechnik" angewendet worden ist.

Als dritte noch zu nennende OP-Methode ist die von Yachia (Yachia,D.: Modified corporoplasty for the treatment of penile curvature. J Urol 143, 80, 1990) beschriebene Methode zu nennen, bei welcher die Tunica albuginea nicht ausgeschnitten sondern lediglich längs inzidiert und dann quer verschlossen wird. Allgemein hat sich diese OP-Methode weltweit als Standartmethode nicht durchgesetzt und wird nur vereinzelt routinemäßig angewendet. .

Die operative Beseitigung einer Penisverbiegung ist kein Anfängereingriff!
Da die angeborene, operationsbedürftige Penisverbiegung insgesamt relativ selten vorkommt (geschätzte Häufigkeit in der Bevölkerung 0,4 %, Quelle: Ebbehoj, J., Metz, P.: New operation for Krummerik (penile curvature). Urology 26, 76-78, 1985, Ebbehoj, J., Metz,P.: Congenital penile angulation. Br J Urol 60, 264-266,1987) wird auch in großen Urologischen Kliniken diese Operation im Jahr oft nur wenige Male durchgeführt, weshalb der einzelne Operateur mit dieser OP meist nicht viel Erfahrung sammeln kann. Dies schlägt sich dann  oft in einer höheren Komplikationsrate mit der Notwendigkeit von Nachoperationen nieder. Jede erfolgreiche "Nachkorrektur" also Revisionsoperaton, hat zwangsläufig einePenisverkürzung zur Folge. Aus diesem Grund sollte der an einer Penisdeviation leidende Patient darauf bedacht sein, sich bei einem ausgewiesenenSpezialisten auf diesem Gebiet operieren zu lassen.

Hauptkomplikationen in ungeübter Hand sind eine Verletzung der Nerven des Penis, so dass der Penis nach der OP gefühllos werden kann, eine Verletzung der Penisgefäße sowie erhebliche Verkürzungen des Gliedes (siehe Abb. 5). In geübter Hand beträgt die Penisverkürzung bei der angeborenen Penisverbiegung meist nicht mehr als 1-1 1/2 cm und ist nicht relevant. Zu operationsbedürftigen Rezidiven der Verbiegung kommt es in geübter Hand in ca. 5 % . In der internationalen  Literatur werden Rezidive in bis zu 30 % beschrieben, insbesondere, wenn es sich um Ergebnisse von Ausbildungskliniken handelt, wo gerne die einfacheren Plikationsmethoden von weniger erfahrenen Operateuren angewandt werden.

Zusammenfassend lässt sich zur angeborenen Penisdeviation feststellen: alle davon betroffenen Männer sollten möglichst frühzeitig, idealerweise  noch vor dem ersten Koitus einen Urologen zur Beratung aufsuchen. Beträgt das Biegungsausmaß über 30-40 Grad und/oder bereitet die Penisverbiegung beim Geschlechtsverkehr Probleme/Schmerzen so besteht die Indikation zur operativen Beseitigung der Verbiegung. Von den in der Literatur bei angeborener Penisverbiegung beschriebenen OP-Methoden zeitigt die Originalmethode nach Nesbit in erfahrener Hand die zuverlässigsten und komplikationsärmsten Ergebnisse, weshalb Sie als Patient sich vorher erkundigen sollten, welche OP-methode die Klinik anwendet und wie häufig der für den Eingriff vorgesehene Operateur diese Operation durchgeführt hat.

Erworbene Penisverbiegungen

Erworbene Penisverbiegungen sind entweder auf eine so genannte Induratio penis plastica (siehe dort) oder auf einen Penisbruch (synonym Penisfraktur, siehe dort) zurückzuführen. Im Gegensatz zu den angeborenen Verbiegungen treten sie erst im späteren Leben auf (meist zwischen 30 – 75 Jahren), können aber auch schon mit 20 – 30 Jahren vorkommen. Im Gegensatz zu den angeborenen Penisverbiegungen führen die erworbenen Penisverbiegungen auf Grund von Vernarbungen und Verkalkungen oftmals zu einer deutlichen Schrumpfung des Penis und dadurch zu einem entsprechenden Längenverlust bei der Erektion, der im Einzelfall durchaus 4-5 cm betragen kann. Auch Erektionsstörungen treten wesentlich häufiger bei den erworbenen als bei den angeborenen Penisverbiegungen auf. In einer eigenen früheren Serie aus den 80er Jahren mit 118 Patienten mit erworbenen Penisverbiegungen hatten immerhin 45 % gleichzeitige Erektionsstörungen. Im Gegensatz zu den angeborenen Verbiegungen kommt es bei den erworbenen Verbiegungen meist zu einem Abknicken des Penis nach oben (bei ca. 80 % der eigenen behandelten Patienten). Seltener sind Verbiegungen zur Seite oder nach unten. Das Biegungsausmaß ist meist sehr ausgeprägt (bis > 90°) und lässt somit oftmals einen Koitus nicht mehr zu. (siehe Abb. 6a-d)

Therapie erworbener Penisverbiegungen
Konservative Behandlungsansätze bei erworbenen Penisverbiegungen

Im Internet oder auch oder Postwurfsendung werden sie oftmals mit sensationellen Erfolgen bezüglich einer Penisverlängerung konfrontiert, welche durch Salben, Cremes oder Tabletten erreicht werden soll. Die entsprechenden "Anbieter" und "Bewerber" können hierzu keinerlei Ergebnisse kontrollierter Studien vorweisen, weshalb der daran interessierte Mann diesen, teils sehr plakativ aufgemachten Werbeversprechen zur Penisverlängerung, sehr kritisch gegenüber stehen sollte.

Penisstreckapparate

Im Internet findet der Interessierte sehr schnell zahlreiche Angebote von Penisstreckapparaten, welche entweder generell zur allgemeinen Penisverlängerung ohne Vorerkrankung oder aber zur Penisverlängerung bei bestehender Induratio penis plastica bzw. bei Z.n. Penisfraktur mit gleichzeitiger Penisschrumpfung angeboten werden. Die Hersteller versprechen teilweise auch, dass mit diesen Penisstreckapparaten erworbene Penisverbiegungen quasi wieder gerade gebogen werden können.

Hierzu ist  vom Expertenstandpunkt anzuführen, dass für alle der im Internet beworbenen Penisstreckapparate größere kontrollierte Studien mit einer vernünftigen Patientenzahl fehlen und dass die Versprechungen der Hersteller sich meist auf nur wenige Fallbeispiele beziehen. Trotz dieser sehr dürftigen Datenlage möchte der Autor dieser Homepage den Penisstreckapparaten ihre Berechtigungsexistenz nicht absprechen, da auch in der eigenen Patientenklientel es den einen oder anderen Patienten gibt, der zumindest einer weiteren Schrumpfung seines Gliedes Einhalt gebieten bzw. eine Verlängerung um 1-3 cm erreichen konnte.

Auf Grund der eigenen Erfahrungen macht die Anwendung eines Penisstreckapparates (z.B. PhallosanⓇ bzw. AdropenisⓇ) bei folgenden Konstellationen Sinn:
1. Präoperativ für 6-12 Monate bei infolge einer Induratio penis plastica bzw. eines Penisbruches stark verkürzten Penis.
2. Postoperativ für 6-12 Monate, ca. 6-8 Wochen nach erfolgter Operation beginnend, um einer weiteren Penisschrumpfung durch Narbenbildung vorzubeugen.

Insbesondere bei stark verkürzten Penissen mit ausgeprägter Verbiegung sollte ein Versuch mit einem Penisstreckapparat für 6-12 Monate vor einer Operation durchaus in Erwägung gezogen werden. Hauptproblem der verschiedenen, zur Verfügung stehenden Penisstreckapparate (häufig auch Extender genannt) sind die doch damit verbundene aufwändige Handhabunge, da diese Apparate täglich zwischen 6 und 12 Stunden angelegt werden sollten, um dann später auch einen Erfolg zu sehen.

Über etwaige Komplikationen bei längerfristiger Anwendung ist bislang nichts bekannt geworden, da, wie schon erwähnt, kontrollierte Studien hierzu nicht vorliegen.

Operative Therapie der erworbenen Penisverbiegung

Die Beseitigung erworbener Penisverbiegungen ist in den meisten Fällen ebenfalls operativ, wenn deren Ausmaß einen Biegungwinkel  von 30-40 Grad überschreitet
Neben den schon bei der angeborenen Penisverbiegung beschriebenen Keilexzisionsmethode nach Nesbit wird auch hier die Plikationsmethode verschiedenen Ort sangewandt. Bei der erworbenen Penisdeviation kommen auch verschiedene so genannte Plaqueexzisions- und Graftingverfahren  zur Anwendung, indem der verhärtete Plaque partiell oder ganz exzidiert bzw, inzidiert und nachfolgend mit plastischem Material (Venen, Goretex, Dermis Schweinedarm und andere Materialien) gedeckt wird.

Graftingverfahren haben u.a. den Nachteil
, dass sie zu einer Verletzung der Dorsalnerven mit nachfolgender Gefühllosigkeit der Penishaut und Eichel führen können, außerdem sich im Bereich des Grafts auch häufiger ein erhöhter Blutabfluss aus dem Schwellkörper bildet (sog. venöses Leak), so dass die mit dieser Methode operierten Patienten häufiger Erektions- und Orgasmusstörungen aufweisen können als es bei der Corporoplastik nach Nesbit mit Keilexzision normalerweise der Fall ist. Die Operationsmethode nach Nesbit sowie die Plikationsverfahren haben teilweise den Nachteil, dass die postoperative Gliedverkürzung ausgeprägter als bei den Graftingverfahren sein kann.

Hauptproblem bei den erworbenen Penisverbiegungen, insbesondere, wenn sie durch eine Induratio penis plastica bedingt sind, ist die Tatsache, dass es durch die IPP bei den betroffenen Männern bereits vor der Operation oftmals zu einer erheblichen Schrumpfung des Penis mit Längenverlusten zwischen 3- 7 cm gekommen ist und jede operative Maßnahme am Penis meist zu einem weiteren Längenverlust um 1-2 cm führt, sehr häufig unabhängig von der angewandten Methode.

Alle seriösen und erfahrenen Operateure auf diesem Gebiet wissen um diese Problematik und klären ihre Patienten auch über diese Problematik auf. Der aufgeklärte Patient sollte deshalb äußerst kritisch entsprechend reißerisch aufgemachten Angeboten gegenüber stehen, welche damit werben, dass sie eine IPP ohne Gliedverkürzung operieren, ungeachtet der OP-Methode, die beworben wird. Aus dem Munde seriöser und erfahrener  Operateure werden Patienten mit erworbenen Penisverbiegungen beiInduratio penis plastica solche Versprechungen nicht hören, da die Wirklichkeit postoperativ oft anders aussieht und zwangsläufig jederoperative Eingriff bei dieser Indikation mit einer Penisverkürzung unterschiedlichen Ausmaßes einhergeht.

Da bei erworbenen Penisverbiegungen häufiger gleichzeitige Erektionsstörungen vorhanden sind, welche durch die Beseitigung der Verbiegung nicht behoben werden, außerdem es im Rahmen der oftmals gleichzeitig vorhandenen Induratio penis plastica zu einem deutlichen Längenverlust des Gliedes kommt, welcher natürlich auch nach der Operation bestehen bleibt, ist bei diesen Patienten die Zufriedenheitsrate mit dem Operationsresultat generell deutlich niedriger als bei den Patienten mit angeborenen Verbiegungen, die ja fast ausschließlich junge Männer mit normalem Erektionsmechanismus und normaler Penislänge betreffen.

Die Implantation einer Penisprothese (siehe auch Penischirurgie und Implantate) bei erworbener Penisverbiegung sollte immer dann in Betracht gezogen werden, wenn die Penisverbiegung mit einer erheblichen Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion) einhergeht., welche auch auf PDE 5 Hemmer, wie CialisⓇ oder ViagraⓇ nicht gut anspricht. Allerdings wird durch die Implantation einer Penisprothese keine Penisverlängerung erzielt, da sich die Implantatgröße dem geschrumpften Schwellkörper anpassen muss, anderenfalls sind schwere Komplikationen wie Perforation oder eine erneute Penisverbiegung zu befürchten. 

Zusammenfassend: lässt sich feststellen, dass auch bei der erworbenen Penisverbiegung, ähnlich wie bei der angeborenen Penisverbiegung, dann eine operative Beseitigung durchgeführt werden soll, wenn die Verbiegung zu entsprechenden Problemen beim Geschlechtsverkehr führt. Da die meisten erworbenen Penisverbiegungen ursächlich auf eine Induratio penis plastica zurückzuführen sind und diese oft schubweise über Jahre verlaufen kann sollte erst dann operiert werden, wenn die Krankheit mindestens 9-12 Monate zum Stillstand gekommen ist. Eine vor Corporoplastik bestehende Erektile Dysfunktion, welche bei 40-50 % der Fälle anzutreffen ist, bessert sich durch eine operative Beseitigung der Penisverbiegung kaum, hier müssen dann postoperativ PDE 5 Hemmer wie Viagra® oder Cialis® angewendet werden. Im Einzelfall, bei starker Penisverbiegung und Schwellkörperschrumpfung, sollte eine präoperative Anwendung eines Penissteckapparates erwogen werden.

>> zurück zur Übersicht

Penisverbiegung urologische Praxis
Penisprothesen (Penisimplantate)
Abb. 1: Angeborene, nach unten (ventral) gerichtete Penisverbiegung
Abb. 2: Angeborene, nach unten (ventral) gerichtete Penisverbiegung bei gleichzeitiger Insuffizienz des Ligamentrum suspensorium Penis (Penisaufhängeapparat), so dass der Penis bei Erektion nach unten hängt.
Penisprothesen (Penisimplantate)
Abb. 5: Stark verkürzter Penis nach auswärtiger fehlgeschlagener Beseitigung einer Penisverbiegung durch nicht erfahrenen Operateur. es handelt sich hier leider um einen irreparablen Zustand!
Abb. 6a
Abb. 6b
Abb. 6c
Abb. 6d: Unterschiedliche Ausprägungen und Biegungsausmaße erworbener Penisverbiegungen bei Induratio penis plastica: Abb. 6a,b: Ausgeprägte nach oben. also dorsal gerichtete Penisdeviation. Abb. 6c: 70 gradige nach unten, also ventral gerichtete Penisdeviation. Abb. 6d: Nach links gerichtete Penisverbiegung mit Einkerbung links als Folge eines früheren Penisbruches.